Die Frauenbewegung in der Türkei: Widerstand, Aufstand, Sieg

Die Frauenbewegung in der Türkei: Widerstand, Aufstand, Sieg

Dieser Text beschreibt die Geschichte der Frauenbewegung und des feministischen Kampfes, und wie dieser von Osmanischer Zeit bis Heute auf dem Gebiet der heutigen Türkei Fuß gefasst und sich entwickelt hat. Es ist ein Versuch zusammenzutragen, welchen Einsatz die Frauen, die diesen Kampf im Laufe der Geschichte gekämpft haben, ohne Mühen zu scheuen geleistet haben. Doch das eigentliche Ziel dieses Textes besteht darin, ein weiteres Mal daran zu erinnern, was die Aufstände, der Widerstand, das Gedankengut, die Taten, die Errungenschaften und Stärken des feministischen Kampfes und der Frauenbewegung sind und sie erneut ins Gedächtnis zu bringen. Egal wie sehr aus gesellschaftlichen, politischen und anderen Gründen versucht wird, die Verbindungen der Frauen untereinander abzubrechen und Brücken abzureißen, werden wir dennoch erkennen, dass die Frauen trotz allem voneinander Kraft und Inspiration erhalten und damit ihren Weg fortsetzen.

Wir wünschen viel Vergnügen bei der Lektüre dieses Berichts.  

Frauenbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Wirft man einen Blick auf die Frauenbewegungen zur Zeit des Osmanischen Reiches und der Gründungsphase der Republik Türkei, erkennt man, dass anfangs insbesondere das Recht auf Bildung, das Wahlrecht und die Staatsbürgerschaft als besonders dringend eingestuft wurden. 

Von Nacide Berber

Die Zeit der Republik und der Prozess der Modernisierung

Im Jahr 1923, nachdem Frauen von der Gründung der Republik erfahren hatten, gründeten sie die „Frauenvolkspartei” (Cumhuriyet Halk Firkasi), um für wirtschaftliche, soziale und politische Gleichberechtigung, sowie für gleiche Staatsbürgerrechte, zu kämpfen. 

Von Nacide Berber

Die Frauenbewegung in der Türkei von 1980 bis heute

Die 2000er Jahre: Neue Schritte und Erfolge

In dieser Zeit, in der das feministische Vokabular und  dessen Institutionalisierung  sich weiter verbreiteten und anreicherten, wurden außerdem neue Schritte bezüglich der feministischen Organisierung und Publikationstätigkeit unternommen

Von Nacide Berber

*Dieser Text wurde vor dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 verfasst. Durch den Ausnahmezustand und die Kriegsbedingungen hat sich seit diesem Datum in der Türkei das patriarchale System tiefer etabliert und die männliche Gewalt weiterhin zugenommen.

Es gibt aber noch eine weitere wichtige Entwicklung, die aktuell einen wichtigen Einfluss auf die Frauenbewegung in der Türkei hat. Einige essentiell wichtige Frauenorganisationen, die gegen das patriarchale System und die gesellschaftliche Geschlechterungleichheit kämpfen und sich dafür einsetzen, Wege zu einem Leben ohne männliche Gewalt und Sexismus aufzubauen, wurden per Dekret im Rahmen des Ausnahmezustands verboten und ihre Aktivitäten eingestellt. Darunter befinden sich: Adıyaman Kadın Yaşam Derneği, Anka Kadın Araştırmaları Derneği, Bursa Panayır Kadın Dayanışma Derneği, Ceren Kadın Derneği, Gökkuşağı Kadın Derneği, KJA, Muş Kadın Çatısı Derneği, Muş Kadın Derneği, Selis Kadın Derneği, Van Kadın Derneği und hunderte weitere zivilgesellschaftliche Organisationen.[1] Aufgrund des Verbots dieser Frauenorganisationen bleiben auch deren Bemühungen, die Frauen zu stärken, auf der Strecke. 

Eine weitere wichtige Entwicklung in diesem Zeitraum war, dass AKP-Abgeordnete einen Gesetzesentwurf im Parlament eingereicht haben, nach dem Täter, die Mädchen vergewaltigt oder missbraucht haben, eine Amnestie erhalten, sofern sie die Überlebende heiraten.[2] Sämtliche Frauenorganisationen und auch Frauen sind in der Türkei auf die Straße gegangen und haben dagegen protestiert. Dadurch sieht es derzeit so aus, als wäre der Antrag vorläufig zurückgezogen worden. Wenn dieser Gesetzesentwurf verabschiedet worden wäre, hätte das bedeutet, dass Männer, die Frauen und Kinder vergewaltigen und sexuell missbrauchen “noch eine Chance” bekommen hätten und in einem Land, in dem dafür gekämpft wurde, dass Vergewaltigung in der Ehe als Straftat anerkannt wird[3], die Ehe Mittel zum Zweck geworden wäre, um sich hinter dem „Willen” des Kindes zu verstecken und das Alter für einvernehmlichen Sex von 15 auf zwölf Jahre zu senken[4]. Dadurch wären Zwangsheiraten Tür und Tor geöffnet worden.

Leider müssen wir feststellen, dass es in dieser Zeit, in der die Gewalt und der Druck auf  Frauen zugenommen haben, der Handlungsspielraum für die Frauen und ihre Bewegung weiter eingeschränkt wurde. Deswegen scheint es, als wären die Bedingungen des feministischen Kampfes erschwert. Gegen Ende des Sommers zeichnete sich der Versuch ab, die Errungenschaften der feministischen Bewegung und der Frauen zu schwächen und stattdessen die Familie zu stärken. Es sieht allerdings so aus, dass auch in naher Zukunft die Frauenbewegung Themen wie Abtreibungsverbot, Frauenmorde, Sexismus bei der Beschäftigung von Frauen usw., also jede Art von Unterdrückung, Druck, Diskriminierung, Ungleichheit usw. weiterhin verfolgen wird. Es scheint, dass der Schutz der Errungenschaften, die durch den Kampf der Frauenbewegungen weltweit und in der Türkei gewonnen werden konnten, und durch welche die Frauen gestärkt werden, ein wichtiger Grund für weiteres Engagement sind.

 

[2]              In der Generalversammlung des Türkischen Parlaments wurde über folgenden Passus diskutiert, welcher Paragraf 1 der Übergangsbestimmung zur Novellierung der Strafprozessordnung beigefügt werden sollte:

                „Bei Missbrauchsfällen, die bis zum 16. November 2016 begangen wurden und bei denen keine Gewalt, Bedrohung, List oder sonstige Gründe, die den Willen beeinflussen, vorliegen, wird in dem Fall, dass der/die Geschädigte den Täter/die Täterin ehelicht, beschlossen, dass der Strafvollzug ausgesetzt wird, wenn der Urteilsspruch bereits erfolgt ist. Falls noch kein Urteil gefällt wurde, wird dieses nicht gefällt. Paragraf 231 der Strafprozessordnung tritt in diesen Fällen außer Kraft. Wenn eine Heirat während der Verjährungsfrist aufgrund der Schuld des Täters beendet wird, wird das Urteil gefällt oder der Strafvollzug fortgesetzt. Wird anhand dieses Passus über einen Täter kein Urteil ausgesprochen oder der Strafvollzug ausgesetzt, wird beschlossen, dass die öffentliche Klage gegen Personen, die zur Straftat angestiftet oder bei der Durchführung geholfen haben, fallengelassen wird oder der Vollzug aufgehoben."

[3]              Aufgrund der Kampagnen, welche die Frauenbewegung durchgeführt hat, wurden zum 1. Juni 2005 wichtige Änderungen bezüglich der Sicherung der sexuellen Rechte von Frauen in das Türkische Strafgesetzbuch (TCK) aufgenommen. Es war ein sehr wichtiger Schritt für die sexuelle Gleichberechtigung der Frau in der Türkei, dass unter der Überschrift „Straftaten gegen die sexuelle Integrität“ Bestimmungen in das Türkische Strafgesetzbuch (TCK) aufgenommen wurden, nach denen ein Ehemann, der die Integrität des Körpers verletzt, vergewaltigt, bestraft wird, wenn seine Ehefrau ihn deswegen anzeigt.

[4]              https://www.morcati.org.tr/tr/389-tecavuzu-aklayacak-hicbir-yasayi-kabul-etmiyoruz

QUELLENVERZEICHNIS

Acar Savran, Gülnur:                         “Feminizm (Yeni) Toplumsal Hareketlerden Biri Mi?”, Feminist Politika, Ausgabe: 10, İstanbul, 2011, s. 20-21

 

Arat, Yeşim:                                       „1980’ler Türkiye’sinde Kadın Hareketi: Liberal Kemalizm’in Radikal Uzantısı”, Toplum ve Bilim, sayı: 53, İstanbul, Birikim Yayınları, 1991, s.7-19

Berber, Nacide                                   „Özel Sektörde Yönetici Kadıların Cinsiyet Kimliği ve Feminizm Algısı“, eine bisher unveröffentlichte Arbeit zum Abschlussexamen am Institut für Sozialwissenschaften der Istanbul Universität, Studienschwerpunkt Frauenstudien, İstanbul, 2011

Berktay, Fatmagül:                            „Cumhuriyet’in 75 Yıllık Serüvenine Kadınlar Açısından Bakmak”, 75 Yılda Kadınlar ve Erkekler, Ed. Ayşe Berktay Hacımirzaoğlu, İstanbul, Tarih Vakfı Yayınları, 1998, s. 1-11

Berktay, Fatmagül:                            „Osmanlı’dan Cumhuriyet’e Feminizm”, Modern Türkiye’de Siyasi Düşünce, Band 1, 5. Auflage, İstanbul, İletişim Yayınları, 2003, s. 349, 350

Berktay, Fatmagül:                            „Türkiye Solu’nun Kadına Bakışı: Değişen Bir Şey Var mı?”,  1980’ler Türkiye’sinde Kadın Bakış Açısından Kadınlar, Haz. Şirin Tekeli, İstanbul, İletişim Yayınları, 2010, s. 279-290

Bora, Aksu:                                        „Kadın hareketi: Nereden nereye?”, Birikim Dergisi, Ausgabe: 83, İstanbul, Birikim Yayıncılık, 1996

Bora, Aksu, Günal, Asena:                ‘90’larda Türkiye’de Feminizm, İstanbul, İletişim Yayınları, 2002

Bora, Aksu:                                        „Feminizm: Sınırlar ve İhlal İmkanı”, Birikim Dergisi, Ausgabe: 184-185,  İstanbul, Birikim Yayıncılık, 2004, s.106-112

Bora, Aksu:                                        „Feminizm Kendi Arasında“, Ankara, Ayizi Yayınları, 2011

Bora, Aksu:                                        „Amargi Diye Bir Dergi”, İradenin İyimserliği: 2000’lerde Türkiye’de Kadınlar, Der. Aksu Bora, Ankara, Ayizi Yayınları, 2015

Çakır, Serpil:                                      „Osmanlı Kadın Hareketi“, İstanbul, Metis Yayınları, 1996

Durakbaşa, Ayşe:                               „Halide Edib: Türk Modernleşmesi ve Feminizm“, İstanbul, İletişim Yayınları, 2000

Ergüneş, Nuray:                                 „Kadınlar Vardır: 1980’den Günümüze Türkiye’de Kadın Hareketi”, İktisat Dergisi, Ausgabe: 469, İstanbul, 2006, s. 62-68

Kandiyoti, Deniz:                              „Cariyerler, Bacılar, Yurttaşlar, Çev. Aksu Bora vd., 2. Auflage, İstanbul, Metis Yayınları, 2007

Koray, Meryem:                                 „Türkiye Kadın Hareketinin Soru ve Sorunları”, 75 Yılda Kadınlar ve Erkekler, Ed. Ayşe Berktay Hacımirzaoğlu, İstanbul, Tarih Vakfı Yayınları, 1998, s.361-375

Özdemir, Esen:                                  „Türkiye Feminist Hareket/Örgütlenme Tarihi”, Toplumsal Cinsiyet Tartışmaları, Ankara, Dipnot Yayınları, 2016

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Özkan Kerestecioğlu, İnci:                „1990’larda Kadın Hareketi: Demokrasi ve Eşitlik Talebi”, Türkiye’de ve Avrupa Birliği’nde Kadının Konumu: Kazanımlar, Sorunlar, Umutlar, Der. Fatmagül Berktay, İstanbul, Ka-Der Yayınları,  2004, s.75-97

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Tekeli, Şirin:                                       1980’ler Türkiye’sinde Kadın Bakış Açısından Kadınlar, İletişim Yayınları, İstanbul, 2010

Timisi, Nilüfer,

Ağduk Gevrek, Meltem:                    „1980’ler Türkiyesi’nde Feminist Hareket: Ankara Çevresi”, 90’larda Türkiye’de Feminizm, Der. Aksu Bora, Asena Günal, İstanbul, İletişim Yayınları, 2002, s.13-39

Uçan Çubukçu, Sevgi:                       „1980 Sonrası Kadın Hareketi: Ataerkilliğe Karşı Meydan Okuma”, Türkiye’de ve Avrupa Birliği’nde Kadının Konumu: Kazanımlar, Sorunlar, Umutlar, Der. Fatmagül Berktay, İstanbul, Ka-Der Yayınları,  2004, s.55-73

Van Os, Nicole A.N.M.:                    „Osmanlı Müslümanlarında Feminizm”, Modern Türkiye’de Siyasi Düşünce, C. I, İstanbul, İletişim Yayınları, 2003, s.335-347

Walters, Margaret:                             Feminizm, Übersetzung: Hakan Gür, Dost Kitabevi, Ankara, 2009

Zihnioğlu, Yaprak:                             Kadınsız İnkılap: Nezihe Muhiddin, Kadınlar Halk Fırkası, Kadın Birliği, İstanbul, Metis Yayınları, 2003

Demokrasiye Katkı

Heinrich Böll Stiftung Derneği demokratik kültür ve karakter açısından temel öneme sahip tarihle yüzleşme, milliyetçilik, ayrımcılık vb. tabu konuları gündeme getirir. Türkiye’nin ırkçı ve militarist olmayan, laik, toplumsal cinsiyet demokrasisine dayalı demokratikleşme süreci önündeki temel engellerin kaldırılmasına katkıda bulunmak amacıyla etkinlikler düzenler ve destekler. Ayrıca gençlere özgü sorunları tartışmaya açarak, görmezden gelinen gençlik ve demokrasi konularının ele alınması ve gençlerin siyasete katılımı konusunda tartışmalar yürütür.