Die 2000er Jahre: Neue Schritte und Erfolge

Die 2000er Jahre: Neue Schritte und Erfolge

Betrachtet man die 2000er Jahre, wurde damals der Kampf um die Identität auf verschiedenen Ebenen ausgetragen. Die stark gewachsene und diversifizierten Frauenbewegung unterhielten weiterhin Aktionsplattformen, um zusammenzukommen. Mittels dieser Plattformen konnten maßgebliche Veränderungen im Zivilrecht (2001), im Strafgesetzbuch (2004) und der Verfassung durchgesetzt werden. Das war die Vorarbeit für das „Gesetz zur Prävention der Gewalt an Frauen und zum Schutze der Familie“ und die Richtlinien für Familiengerichte (Sancar, 2008). Zu den Errungenschaften der Frauenbewegungen in dieser Zeit zählten die Aufhebung der Gesetze bezüglich der Geschlechtertrennung und die Forderungen nach Stärkung der Frau, sowie der Widerspruch gegen mutmaßliche Diskriminierungen. Zusätzlich dazu entstanden viele neue, gemeinsame Plattformen und Organisationen innerhalb der Frauenbewegung, beispielsweise für die gleichberechtigte politische Vertretung (wie die Frauenkoalition) und für den Kampf gegen Gewalt an Frauen (wie die Konferenz für Frauenhäuser und Solidaritätszentren).  

In den 2000er Jahren wurden die Errungenschaften und Erfahrungen der 1980er und 90er Jahre offensichtlich. Im Zivilgesetz und im Strafgesetzbuch wurden unter anderem folgende Paragrafen verändert: Vergewaltigung in der Ehe wurde als Straftat festgesetzt, Vergewaltiger gehen nicht mehr straffrei aus, wenn sie ihr Opfer nachträglich heiraten, Belästigung am Arbeitsplatz wurde ebenfalls als Straftat eingestuft. Zusätzlich lohnt es sich zu erwähnen, dass die Geschlechtertrennung im Arbeitsleben zwischen Mann und Frau im Arbeitsgesetz verboten, und der Mutterschutz auf 16 Wochen erhöht wurde. Es lässt sich kaum leugnen, dass diese gesetzlichen Änderungen auf die Erfahrungen und den von den feministischen Bewegungen ausgeübten Druck zurückgingen und parallel dazu der Staat aufgrund internationaler Verträge und der Beitrittsverhandlungen in die EU verpflichtet war. Selbst wenn es sich dabei um eine Instrumentalisierung der Frauenbewegung und ihrer Argumente handelt, so hat die Bewegung doch einen Anteil dazu beigetragen, dass die Tür für diese Reformen nicht geschlossen wurde (Özkan Kerestecioğlu, 2004).

Die 2000er Jahre waren auch die Zeiten, in der der “projektorientierte Feminismus” an Bedeutung gewonnen hat. In diesem Zusammenhang war  das Haupthema: Das die Bemühungen einiger Projekte, die eigentlich von der öffentlichen Hand übernommen werden sollten, mitsamt ihren Fonds auf Gruppierungen der Bewegung zu übertragen, die Festsetzung der Grenzen von Projekten von Fonds vergebenden Institutionen bestimmt und dass in den anvisierten Arbeiten keine Nachhaltigkeit garantiert werden konnte und dass alles auf die  Projektlaufzeit begrenzt war. (Ergüneş, 2006)

In dieser Zeit, in der das feministische Vokabular und  dessen Institutionalisierung  sich weiter verbreiteten und anreicherten, wurden außerdem neue Schritte bezüglich der feministischen Organisierung und Publikationstätigkeit unternommen. Zu diesem Zeitpunkt hat der feministische Kampf durch die Frauenkooperative „Amargi“ (2001), die Frauenkooperative „Filmmor“ (2003), das Sozialistisch-Feministische Kollektiv „SFK“ (2008) und „Aufstand gegen Frauenmorde“ (2009) ein neues Gesicht erhalten und an Gewicht gewonnen. Betrachtet man die feministischen Publikationen, sind es die „Armagi Feminist Teori ve Politika (Armagi feministische Theorie und Politik) (2006) und Feminist Politika (Feministische Politik) (2009) neben den im Internet publizierten Schriften „Kültür ve Siyasette Feminist Yaklaşımlar“ (Feministische Ansätze in Kultur und Politik) und akademischen Zeitschriften wie „Fe“, in denen sich die aktuellen Themen und Debatten der Bewegung und ihrer Frauen sowie feministische Politik und Theorie widerspiegeln.

Wirft man einen Blick auf die wichtigsten Demonstrationen und Kampagnen in den 2000er Jahren, sind das: Ein Fest zum zwanzigjährigen Jubiläum der „Kampagne gegen Gewalt“ (2007), eine Kampagne zur Unterstützung von Prostituierten, die bei den Parlamentswahlen 2007 kandidieren (2007), eine Solidaritätskampagne für die streikenden Arbeiterinnen von Novamed (2007), die Neuauflage der Kampagne „Lila Nadel“ (2008), die Demonstrationen vor der Verabschiedung des neuen Sozialversicherungsgesetzes (2007 bis 2008), sowie die Kampagne zur Unterstützung feministischer Kandidatinnen für das BürgermeisterInnen-Amt.[1] 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man die 2000er Jahre als eine Zeit betrachten kann, in welcher der Feminismus in der Türkei an Kontur gewonnen hat und der Diskurs einen größeren Personenkreis erreichte.

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